Ryorchestra (presented by Freak Out & Deaf Row Shows)

Ryorchestra (presented by Freak Out & Deaf Row Shows)
Sonntag | 29. September 2019 | 19:00 Uhr


Was will es uns sagen, wenn die beiden Reihen FREAK OUT und Deaf Row Shows nen gemeinsames Konzert auf die Beine stellen? Auf jeden Fall eines: Es wird brachial und vollkommen absurd, haben sie doch die japanische Zeuhl-Band „Ryorchestra“ ins Wagner geladen. Die Bandleaderin Ryoko Ono kennt man in Jena vielleicht durch ihre Kooperationen mit „Ruins.“ Aber aufn Punkt:
Japanischer Zeuhl, das ist doch diese völlig durchgeknallte Mucke, dargebracht in Hochgeschwindigkeit und mit kleinen, kreischenden Sängerinnen? Ja, so ist das hier auch… meistens. Denn Ryorchestra verbinden auf originelle Weise die typisch japanische, überdrehte Variante des Zeuhl, die hier immer auch von Punk und gelegentlich auch Metal beeinflusst ist, mit Passagen, die an den klassischen, hymnischen Zeuhl der Urväter Magma gemahnen.

Die beiden Sängerinnen Shiraki Sakaya und Matsuda Daijiro bieten die ganze Spannbreite von hysterischem Gekreische bis zu erhabenen Chorälen, dazu kommen schneidende bis bratzende Gitarren, kreischendes Saxophon und knackiger, pumpender Bass, während das Schlagzeug hier weniger prominent (aber stets souverän) agiert als sonst im Genre üblich. In den für Zeuhl-Verhältnisse recht kurzen Songs wechselt die Band gerne mehrfach abrupt von hysterisch zu hymnisch und wieder zurück. schon das einleitende Ëvision macht in dieser Hinsicht keine Kompromisse. Ein wahrer Parforceritt durch die beiden Hauptspielarten des Zeuhl, der einen bereits in schweißgebadeter Glückseligkeit zurücklässt.

Gleich zum Auftakt dieses Stücks und damit auch des Albums hört man dazu eine weitere interessante Zutat zum Ryorchestra-Sound in Form des knurrenden Growlens von… wem auch immer, es sind mehrere Leute mit Gesang aufgelistet. Wohldosiert und meist eher im Hintergrund gehalten, vermeidet man, diese Einsätze zum billigen Effekt verkommen zu lassen.

Die weiteren Songs stehen dem Opener in nichts nach, spielen alle Arten der Hysterie durch, immer wieder durchsetzt von ruhigeren, an Magma anmutenden Passagen. Bei Laura Palmer erklingt sogar ein romantisierendes Klaviersolo – das freilich nur wenige Sekunden währt, bevor der musikalische Orkan weitergeht. Naferisco könnte in der Hälfte gar ein Stück von Magma sein (wenn die eigenartigen Tiergeräusche nicht wären), aber auch in diesem Stück gibt es letzten Endes kein Entrinnen vor der musikalischen Dresche. Das folgende Glossolalia zeigt sich sogar durchweg mehr hymnisch als hysterisch, bringt dazu schönes Geflöte. Danach wird es wieder zunehmend japanisch-verrückt, kulminierend im abschließenden Titelstück, in dem das Gegrowle im Vordergrund steht und sich im Laufe der Zeit immer mehr ins Absurde steigert. Absolut krank.

https://onoryoko.bandcamp.com/album/dmk
https://www.youtube.com/watch?v=I_bEnecZIpc

Einlass: 19 Uhr
Konzert: 20 Uhr
VVK: in Kürze